German 14

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By Thomas Ohlemacher

Proteste und Protestbewegungen haben etwas mit sozialen Problemen zu tun, von denen sich bestimmte Leute betroffen und frustriert fühlen. Nicht alle Umstände aber, die als soziale Probleme wahrgenommen werden, führen zu Protesten und Protestbewegungen. Die Geschichte ist voll von frustrierenden Übelständen, die nicht zu kollektiver Mobilisierung der Betroffenen geführt haben. Thomas Ohlemacher arbeitet in der folgenden Studie an solch einem Fall. Er betrifft den enervierenden Lärm, der in bestimmten Zonen der Bun­ desrepublik Deutschland durch militärische Tiefflugübungen entsteht. Obwohl die physikalisch meßbaren Belästigungen in vielen betroffenen Gemeinden gleich oder sehr ähnlich sind, mobilisiert sich nur in wenigen von ihnen die Bevölkerung zu Protestaktionen. Warum nur in ihnen? Warum in den anderen nicht? Aus den Erfahrungen der Protest- und Bewegungsforschung haben wir gelernt, daß eine Vielzahl von Bedingungen eine Rolle spielt, ehe sich aus subjektiven Deprivationen soziale Reaktionen entwickeln, die sich als kleine oder aber auch als große Protestbewegungen darstellen. Solche Deprivatio­ nen müssen als Ergebnis sozialer Probleme gedeutet und mit "injustice [rames" (William Gamson) skandalisiert werden. Dabei müssen einerseits, damit Solidarisierungen entstehen können, kollektiv Betroffene als Opfer festgestellt, andererseits über einleuchtende Kausalattribuierungen Schuldige markiert werden, die als Angriffspunkte kollektiver Aktionen erreichbar sind. Damit solche Aktionen tatsächlich entstehen, bedarf es zusätzlich der Über­ zeugung, daß das eigene Engagement nicht nur notwendig ist, sondern auch erfolgreich sein kann. Solche Wahrnehmungen, Vorstellungen und Überzeugungen lassen sich weder von den einzelnen selbst noch von sogenannten "Bewegungs unter- 14 Vorwort nehmern", die dann auch als Agitatoren wirksam werden, einfach erfinden.

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Dieser Buchtitel ist Teil des Digitalisierungsprojekts Springer e-book records mit Publikationen, die seit den Anfängen des Verlags von 1842 erschienen sind. Der Verlag stellt mit diesem Archiv Quellen für die historische wie auch die disziplingeschichtliche Forschung zur Verfügung, die jeweils im historischen Kontext betrachtet werden müssen.

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Eine Folge der aktiven Mitarbeit 24 Oliver operationalisierte diese wie folgt: "... '". (605) 48 Stand der Forschung und Perspektiven in den Organisationen sind. Durch die gemeinsame Arbeit dürften enge persönliche Beziehungen entstanden sein. Man könnte vermuten, daß sich innerhalb der Initiative wiederum ein durch starke Beziehungen integriertes Netzwerk gebildet hat. Enge Bindungen könnten somit ursächlich für Aktivitäten mit hohen Kosten sein, sind aber vielleicht auch eine Folge dieser Aktivitäten.

Auf einer zweiten Ebene kann man die Interaktionsstrukturen betrachten, die den jeweiligen Netzwerken zugrunde liegen. Auch hier dürfen Ähnlichkeiten zwischen den Ursprungsnetzwerken, dem entstehenden Netzwerk und den übrigen Relaisnetzwerken vermutet werden. Deutlich wird dies, wenn Stand der Forschung und Perspektiven 65 man sich die oben angeführten Beispiele noch einmal vor Augen führt. Zwei der Beispiele gehörten zu den sogenannten "neuen sozialen Bewegungen", das dritte bildete eine der alten Bewegungen.

Und können dann diese Menschen wiederum Bekannte oder Fremde aus möglichst vielen anderen Netzwerken für den Protest werben? Die Fragen in dieser Art zu stellen, bedeutet einen Wechsel in der Untersuchungsperspektive. Stand im bisher referierten Material das Individuum im Mittelpunkt der Analyse, so ist es nun die Gesamtheit der Netzwerke, die betrachtet werden soll. Der Beobachter wechselt seinen Beobachtungsstandort: Saß er gleichsam vorher neben dem Individuum, befragte es nach seinen Kontakten und Bindungen, so tritt er nun zurück und betrachtet die Gesamtheit aller Netzwerke.

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